Datacenter im Wandel der Technologien.

Rechenzentren erleben derzeit einen bedeutenden Wandel und der KI-Boom stellt die Branche auf den Kopf. Das verändert nicht nur den Blick auf Kapazitäten, auch der Strombedarf wird zum Schlüsselthema. Welche Rolle spielen Souveränität und Cloudunabhängigkeit neben dem Kampf um Ressourcen? Wir geben einen Überblick über die aktuellen Trends.

Grenzen ausloten für KI-Tauglichkeit.

Die KI-Transformation ist in vollem Gange. Für Bestandsrechenzentren wird dies zur Bewährungsprobe. Der Stromverbrauch für generative KI-Anwendungen steigt exponentiell und die bisherigen Infrastrukturen stoßen durch die Nachfrage nach serverintensiver Rechenleistung an ihre Grenzen. Betreiber müssen sich umso mehr als klassische Colocation-Standorte behaupten, um neben spezialisierten KI-Rechenzentren zu bestehen. Auch bei der Hardware gilt es, Bedarf und Wirtschaftlichkeit gut auszuloten. High-Density-Racks mit 10-15 kW Leistung gelten zukünftig bereits als Standard, während für KI-Cluster nun Leistungsdichten von 40, 60 oder sogar über 100 Kilowatt (kW) pro Rack zur Verfügung stehen müssen. Hohe Investitionen stehen dabei oft langen Projektzeiten gegenüber. On-Premises-Rechenzentren können sich hier für neue Zielgruppen etablieren. Wer als Anbieter für den Mittelstand bisher noch keine entscheidende Rolle gespielt hat, kann zukünftig in diesem Segment neue Märkte erschließen.

Energie wird zum Wettbewerbsfaktor.

Die Energiewende ist in vollem Gange. Während die Energieversorgung der Zukunft sichergestellt werden muss, merken wir, wie rasant der Energiebedarf steigt. Rechenzentren haben dabei nicht den besten Ruf. Neue Großprojekte stoßen in der Bevölkerung auf Widerstand und das Stromnetz an seine Grenzen. Dadurch verzögern sich Bauvorhaben und Kapazitäten werden knapper. Die Verfügbarkeit von Energie wird zum Wettbewerbsfaktor. Investoren wandern im Zweifel in energiereichere Länder ab, um Kapazitäten für Hyperscaler und Cloud-Anbieter weiterhin sicherzustellen. Für Bestandrechenzentren kann dies eine Chance sein, spezielle Kundensegmente wie KRITIS-Betreiber zu bedienen. Hochzertifizierte Infrastrukturen mit funktionierenden Redundanzkonzepten sind in vielen Fällen Voraussetzung bei der Auswahl. Auch die Entscheidung für den heimischen Standort steht hierbei oft nicht zur Disposition.

Digitale Souveränität gewinnt an Bedeutung.

Die Notwendigkeit extrem geringer Latenzzeiten für KI-Anwendungen und Industrie-4.0 bestimmen die Entwicklung im Datacenter-Umfeld. Aber auch die hohen Anforderungen an Datenhoheit und Unabhängigkeit in regulierten Branchen sind Voraussetzungen, die Rechenzentrumsbetreiber erfüllen müssen. On-Premises-Rechenzentren können hier eine hochspezialisierte Rolle einnehmen. Dabei konkurrieren sie nicht mit Cloud-Rechenzentren, sondern stellen eine Ergänzung für verteilte digitale Infrastrukturen dar. Vorstellbar sind hier kompakte Mini-Rechenzentren, die Hyperscale-Technologien auf kleinstem abgesichertem Raum abbilden. Skalierbarkeit bleibt weiterhin wichtig, jedoch nehmen Zuverlässigkeit und Unabhängigkeit einen hohen Stellenwert ein. Um die Kontrolle über die sensiblen Unternehmensdaten zu behalten, setzt der Mittelstand auf private Cloudlösungen und lokale IaaS-Lösungen, die unter deutscher Datenhoheit gehostet werden.

NIS-2 und Anforderungen an KRITIS

Mit Einführung der NIS-2-Richtlinie steigt der Bedarf an hochsicheren zertifizierten Infrastrukturen. NIS-2 betrifft Betreiber kritischer Infrastrukturen und wurde nach und nach in Europa eingeführt. Mit der Registrierungspflicht im April 2026 sind KRITIS-Branchen nun endgültig in der Verantwortung, NIS-2 in ihrem Sicherheitskonzept zu verankern. Critical Entities Resilience (CER)-Direktive, Energie-Effizienzgesetze (EnEfG) und CSRD ergänzen die Anforderungen an ein Netz aus Sicherheitsvorkehrungen und Meldepflichten. Datacenter-Betreiber, die bereits einen hohen Zertifizierungsgrad haben, können viele Prozesse, die in den Anforderungen vorkommen, von Haus aus sicherstellen. Datenspeicherung unter deutscher Hoheit gepaart mit Hochsicherheitsstandards wird für anfällige Infrastrukturen zur maßgeblichen Standortwahl.

Fazit:

KI-Boom, Energieknappheit, digitale Sicherheit und regulatorische Vorgaben bestimmen die aktuelle Entwicklung von Rechenzentren. Der Bedarf nach modernen, sicheren und leistungsfähigen IT-Flächen wird weiter massiv steigen. Cloud-Rechenzentren und klassische Colocation-Standorte stehen dabei nicht unbedingt in Konkurrenz. Vielmehr ergänzen sie sich bei hybriden verteilten Infrastrukturen. On-Premises-Rechenzentren werden durch eine hochspezialisierte Ausrichtung eine tragende Rolle einnehmen. Durch die lokale, zentrale Verfügbarkeit sind sie vor allem für den Mittelstand ein wichtiger Bestandteil einer zuverlässigen und zukunftssicheren Digitalisierungsstrategie. Für die KRITIS-Branche stehen Verfügbarkeit, Ausfallsicherheit und Redundanzen an oberster Stelle. Beide Zielgruppen haben auch an den Service hohe Ansprüche und legen Wert auf zuverlässige Ansprechpartner. Automation und ein persönliches Vertrauensverhältnis miteinander zu verbinden, bestimmt hier maßgeblich die Qualität des Dienstleisters.